
Dagmar Minor, Autorin aus Reckenthal
spricht in ihrer Lesung / Referat
"TOTE PUPPE"
das allgegenwÀrtige Thema : Missbrauch an Kindern einmal so ganz anders an, nÀmlich in Gedichtsform.
Ungewöhnlich, aber kaum nachfĂŒhlbarer als mit diesen so verpackten Worten
bekommen die Zuhörer zumindest eine fröstelnde Ahnung davon, wieso Kindesmissbrauch eigentlich auch Seelenmord genannt wird.
Hier wird klar, daĂ es ein jahrzentelanger Mord auf Raten ist, was die Opfer durchleiden und wie es wirklich ist, mit einer in der Kindheit durch Missbrauch
zerstörten, einer toten, Seele weiterleben zu mĂŒssen, wie verheerend die Auswirkungen eines solchen Traumas sind.
Ein alltÀgliches Verbrechen wie dieses kann nur in seiner ganzen Tragweite begriffen und bekÀmpft werden, wenn es öffentlich gemacht wird und Opfer sich nicht weiterhin
schweigend schĂ€men fĂŒr etwas, was ihnen angetan wurde. Darum erzĂ€hlt Dagmar Minor-Püllen auch hier ihre eigene Geschichte, stellvertretend fĂŒr
viele, viel zu viele anderer, ganz Ă€hnlicher, die jeden Tag, ĂŒberall um uns herum geschehen.
Die Lesung der Gedichtstexte wird von Dagmar Minor-Püllen mit fachlichen ErklĂ€rungen zum Thema allgemein, sowie mit einem offenen GesprĂ€ch am Ende verknĂŒpft, so
daĂ der Vortrag insgesamt als eine Kombination Referat / Lesung zu bezeichnen ist.
Hierbei wird vor Augen gefĂŒhrt, daĂ Missbrauch ganz viele Gesichter haben kann. Neben dem sexuellen wird auch die ganze Grausamkeit des emotionale Missbrauchs
deutlich. Die Familienstruktur wird erklÀrt, die Rolle der Mutter dargestellt und die des Vaters als TÀter mit den zwei Gesichtern.
Die Signale des kleinen Kindes und die spĂ€teren stummen Hilfeschreie im Jugendalter, die Ăberlebenstechniken und Schutzmechanismen sind ein weiteres trauriges Thema.
Von der spĂ€teren verzweifelten Suche der erwachsenen Frau nach den Scherben ihrer Seele, ihren verlorengegangenen GefĂŒhlen, nach ihrer weiblichen IdentitĂ€t, ihrer
Muterrolle, von einer Suche an falschen schÀdlichen Orten ist zu hören und von der tragisch-logischen Partnerwahl nach altbekanntem Vatermuster .
Bis hierher keine schöne Geschichte, ganz sicher nicht, aber dennoch wird sie zu einer mit "Happy-End", einer, die ganz viel Hoffnung gibt,
denn Dagmar Minor-Püllen erzĂ€hlt auch von der bewuĂten Entscheidung zur Heilung, dem
schweren, aber lohnenswerten " 3-Schritte-Vor-und 2-ZĂŒrĂŒck-Weg " mitten durch die
Erinnerungen und Schmerzen der Kindheit, von dem Mut, alte, sorgsam verschlossenen Schubladen zu öffnen, darin die Teile ihrer Seele zu suchen, sie
herauszunehmen, sie zu berĂŒhren , sie behutsam wieder zusammenzukleben und ihrer Toten Puppe diese genesene Seele und damit ihre Lebendigkeit zurĂŒckzugeben.
Therapie -und Heilungsweg ist sicherlich der Hauptpunkt der Lesung, denn das
Wichtigste, was Dagmar Minor-Püllen weitergeben möchte, ist die Botschaft:
" Es ist zu schaffen ! Es ist zu schaffen von den Folgen des Missbrauchs zu heilen
und ein ungeahntes neues, faszinierendes Leben zu fĂŒhren."
" GEWALTige LIEBE "
ist der tragische " Fortsetzungs - Krimi " der Kindheitsgeschichte " TOTE PUPPE "
Kindheitserlebnisse haben eine ungeheure Macht auf die spÀtere Partnerwahl, Sie bindet, solange diese Kindheit verdrÀngt bleibt, oder retuschiert wird, Töchter an die
bekannte Vaterstruktur. Die Frau, die sich nicht aus der alten Opferrolle befreit hat, gerÀt sehr wahrscheinlich wieder und wieder an einen Mann,
der sie in irgendeiner Weise miĂbraucht, körperlich, sexuell oder seelisch. Beziehungsmuster, aus denen es kein schnelles Entrinnen gibt. Bei allen Menschen
besteht nÀmlich die Tendenz, bekannte Situationen aufzusuchen und nach dem zerstörerischen Motto zu leben : " Lieber das
bekannte UnglĂŒck, als das unbekannte GlĂŒck ". Es gelingt Dagmar Minor-Püllen durch ihre Texte hiervermutlich etwas sehr Schwieriges, nĂ€mlich
einen etwas tieferen Einblick in die Problematik des grausamen Tanzes zwischen dem gewalttĂ€tigen Mann und der Frau, â die sich prĂŒgeln lĂ€Ăt " zu geben, als die
ĂŒblichen reiĂerischen Zeitungsartikel. Sie erzĂ€hlt von den traurigen VerknĂŒpfungen, der Kindheitsgeschichten hinter der TĂ€ter - und der
Opferrolle, von den verschiedenen Arten der Gewalt, von der Angst, der Hoffnung, den immer neuen Trennungsversuchen, der mutigen Anzeige bei
Gericht. Sie erzĂ€hlt von dem langsamen Begreifen, von der Wut, und der endgĂŒltigen, schmerzhaften Befreiung aus der gefĂ€hrlichen, zerstörerischen Umklammerung.
Nach dieser Lesung sind oberflÀchliche PauschalsÀtze wie: " Solche Frauen brauchen das irgendwie" oder " Die brauchen doch einfach
nur zu gehn" kaum mehr möglich.
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